Merkel – reif für den Friedensnobelpreis?

Die angesehene französische Tageszeitung „Le Monde“ könnte sich vorstellen, dass die deutsche Kanzlerin für ihre humane Flüchtlingspolitik den Friedensnobelpreis bekäme. „Keine absurde Hypothese“, schreibt das Blatt und verleiht ihr jetzt schon den Titel „Der Stolz Europas“! Weil sie die Werte Europas verkörpere und verteidige.

„Mama Merkel“ erscheint vielen Flüchtlingen als die große Heilsbringerin – doch allein wird sie diese globale Krise kaum lösen können.

„Mama Merkel“ erscheint vielen Flüchtlingen als die große Heilsbringerin – doch allein wird sie diese globale Krise kaum lösen können.

Der Beitrag erschien zwar am 9. September, also bevor die Kanzlerin wieder Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze einführen ließ. Aber auch diese Notbremse geschah letztendlich zum Wohl der Flüchtlinge und Deutschlands, um die neue Völkerwanderung in geordnete Bahnen zu lenken. Längst kommen nicht nur aus den von Bürgerkrieg und Armut bedrohten Ländern Flüchtlinge, sondern sogar aus Russland! Letztes Jahr mussten allein dorthin 2.135 angeblich Asylsuchende wieder zurückgeschickt werden. Die Bundesrepublik, das vermeintliche Paradies auf Erden, wie es sich unter anderem in der Fernsehwerbung darstellt, lockt die Menschheit von überall an. Dazu der ehemalige Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit Wolfgang Clement (SPD) in einem Gastkommentar für das HANDELSBLATT: „Das anstehende Bevölkerungswachstum werden wir wirtschaftlich und gesellschaftlich nur verkraften können, wenn es mit einem Wachstum der Wirtschaft einhergeht.“ Mit anderen Worten: Der bereits erreichte Wirtschaftsboom, die Exportrekorde, die sinkende Arbeitslosigkeit, reichen nicht aus. Und zusätzliches Wirtschaftswachstum geschieht nicht holterdiepolter.

Die Kanzlerin geht derweil dem normalen Regierungsgeschäft nach – was heißt normal? Termine allein an diesem Dienstag: 12:00 Uhr Gespräch mit dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann über das weitere Vorgehen in der Flüchtlingspolitik. Anschließend Pressekonferenz; 15:00 Uhr Sondersitzung des Bundeskabinetts, ebenfalls zum Thema Asyl und Flüchtlingspolitik; 18:30 Uhr Konferenz der Ministerpräsidenten der Bundesländer und deren Fachminister ebenfalls zu der Frage: Wie des Flüchtlingsansturms Herr werden? Voraussichtlich gegen 21.00 Uhr Unterrichtung der wartenden Journalisten. Wenn Angela Merkel dann nicht die Augen zufallen, wird sie vielleicht noch einen korrigierenden Blick auf den Text der Rede werfen, die sie am Donnerstag im Auswärtigen Amt anlässlich der Verleihung des „Walter Rathenau-Preises“ an Königin Rania Al Abdulla von Jordanien halten soll.

Nobelpreis ja oder nein – um ihr Arbeitspensum ist sie nicht zu beneiden, allenfalls um die vielen interessanten Menschen, die sie als Kanzlerin trifft. Nur als Mädchen aus der Uckermark hätte sie nie die Chance gehabt.

Bild dpa/picture alliance

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