Konstantin von Notz – ein adliger Grüner im Bundestag

Tritt er im Parlament ans Rednerpult, ist er korrekt gekleidet – Anzug, weißes Hemd, Krawatte. Aber er spricht mit scharfer Zunge. Zum Beispiel letzten Mai, als es im Plenum um die Abhörpraktiken ausländischer Geheimdienste ging. Notz:

Trotz der eindeutigen Erkenntnisse dank Edward Snowden unterließen Sie es, Frau Bundeskanzler, nach der Leistung des Amtseides, die deutschen und europäischen Interessen vor rechtswidriger Spionage zu schützen. Sie haben sich nicht gekümmert, es wurde nicht nachgefragt, es wurde nichts geprüft. Dieses Durchwurschteln ist der erklärte Politikstil der Bundeskanzlerin … Das schadet dem Ansehen Deutschlands in der Welt. Das ist das Versagen von Frau Merkel, und das macht diese Affäre auch zu ihrer Affäre.

Mitglied des NSA-Untersuchungsausschusses Konstantin von Notz bei einer Demonstration unter dem Motto „Wir lassen uns nicht länger bespitzeln“.

Mitglied des NSA-Untersuchungsausschusses Konstantin von Notz bei einer Demonstration unter dem Motto „Wir lassen uns nicht länger bespitzeln“.

Wer ist dieser Mann, der furchtlos die Kanzlerin angeht?
Jahrgang 1971, geboren im schleswig-holsteinischen Mölln (18.000 Einwohner). Nach dem zehnten Lebensjahr bis zum Abitur Besuch des elitären Gymnasiums in Frankfurt am Main „Freiherr-vom-Stein-Schule“. Berühmte Schüler: Der Philosoph Theodor Adorno, ZDF-Gründungsintendant Karl Holzamer, Michael Groß, Olympia-Sieger im Schwimmen. Danach ein Jahr Zivildienst in der Bahnhofsmission des Frankfurter Hauptbahnhofs. Anschließend komplettes Jura-Studium und Dissertation im Evangelischen Kirchenrecht. Heute Rechtsanwalt in seiner Geburtsstadt Mölln, verheiratet, ein Kind.
Die Heimatverbundenheit blieb: Seit 2004 Mitglied Bündnis 90/Die Grünen in der Möllner Stadtvertretung, seit 2013 Stellvertretender Bürgermeister der Stadt. Politisch ehrgeizig, bewirbt er sich 2002, 2005, 2009, 2013 als Direktkandidat der Grünen (Wahlkreis Herzogtum Lauenburg) für ein Bundestagsmandat. Aber den Einzug erst im dritten Anlauf geschafft. Seit 2009 als innenpolitischer Sprecher und Spezialist für Internet- und digitale Fragen seiner Fraktion tätig. Dann zusätzlich Obmann (Sprecher) der Grünen im NSA-Untersuchungsausschuss des Parlaments, der die Machenschaften der amerikanischen Spionageorganisation „National Security Agency“ in Deutschland aufzuklären hat und dabei die Unterstützung durch den Bundesnachrichtendienstes (BND). Das ist die Chance, sich mit wiederholten, kritischen Äußerungen im Bundestag und in den Medien zu profilieren! Sein Parteifreund, der Stellvertretende Ministerpräsident Robert Habeck: „Notz macht in der aktuellen Debatte um die BND-Affäre einen tollen Job. Er ist die Pein der Großen Koalition.“

Die Krawatte, die der Adelsmann trägt – in einer Partei, wo das Weglassen des Schlipses und das Tragen von Joggingschuhen Zeichen einer Geisteshaltung ausdrücken – ist für Konstantin von Notz nicht Karriere hemmend. Besagter Parteifreund Habeck witzelte einmal: Der Unterschied zwischen einem Kuhschwanz und einer Krawatte? Der Kuhschwanz verdeckt das ganze Arschloch!“

 

Foto: dpa

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