Katrin Suder – beruflich und privat ein Unikat

Sie ist seit letztem August Staatssekretärin im Verteidigungsministerium. Mithin die erste Frau seit Bestehen der Bundeswehr auf diesem Posten! Bei Frauen dieses Formats bedarf es keiner Quote.

Suder, Jahrgang 1971, wie Merkel Physikerin mit Doktortitel, vor ihrem Engagement beim Bund Direktorin bei der Unternehmensberatung McKinsey – wiederum als einzige Frau. Nebenbei auch noch Bachelor of Arts. Erstellte bereits als McKinsey-Tätige Expertisen für die Bundesagentur für Arbeit, mehrere Bundesministerien und europäische Konzerne der Telekommunikation und Informationstechnik. Ebenso außergewöhnlich: Lebt in einer lesbischen Beziehung und ist nichtsdestotrotz Mutter von zwei selbst geborenen Kindern.

Katrin Suder

Die Physikerin und Literaturwissenschaftlerin folgt als Staatssekretärin für Rüstungsfragen Beemelmans nach, der im Februar wegen massiver Probleme bei großen Rüstungsprojekten gefeuert worden war.

Nun ist sie im Verteidigungsministerium unmittelbar unter Ursula von der Leyen zuständig für Rüstungsprojekte und Informationstechnik, deren Anschaffung und Nutzung. Ihr Vorgänger war wegen zahlreicher Pannen gefeuert worden. Jetzt soll es ausgerechnet eine Frau richten? Da ist sie automatisch von Skeptikern und Neidern umringt. Immerhin der zweite Staatssekretär im Ministerium, Gerd Hoofe, empfing sie mit Blumen, Ernennungsurkunde und den Worten: „Wir stehen vor Herausforderungen. Es sind spannende Zeiten. Damit verbinden sich auch ganz besondere Chancen und Möglichkeiten. Ich danke Ihnen, dass Sie diese künftig mitgestalten wollen.“

Helfen kann ihr besonderer Draht zur Ministerin. Denn die hat sie nicht nur ausgeguckt, sondern kennt Katrin Suder bereits aus der Zeit, als von der Leyen noch Bundesministerin für Arbeit und Soziales (2009-213) war. So etwas schafft gegenseitiges Vertrauen.

Nichtsdestotrotz sind die Aufgaben, welche die Quereinsteigerin erwarten, gewaltig. Klassisches Beispiel: Die immer wieder verzögerte Auslieferung des militärischen Großraumtransport-Flugzeugs „A400M“ – zu teuer, zu schwache Leistung, „zu fett zum Fliegen“ (SPIEGEL). Auslieferung der ersten Maschine an die Luftwaffe für 2008 versprochen, tatsächlich Ende 2014 geschehen. Also sechs Jahre zu spät und 40 Prozent teurer als vereinbart! Außerdem werden bei der Abnahme 875 Mängel festgestellt. Daher nur vorläufige Zulassung. Früher behalf man sich, indem entsprechend große Flugzeuge für Militär- und Hilfseinsätze nach Afghanistan bei den Russen gechartert wurden – die „Antonow An-70“. Jetzt zu Zeiten der Ukraine-Krise Pustekuchen!

Damit nicht genug: Derart peinliche Pannen wie bei der Beschaffung dieses Flugzeugs passieren auch bei anderen Projekten der Bundeswehr. Nun soll die neue Staatssekretärin Abhilfe schaffen. Eine ihrer ersten Anweisungen: Der jeweils zuständige Projektleiter muss, wenn er ihr berichten will, nicht über sieben Instanzen gehen. „Hier ist meine E-Mail-Adresse. Schreiben Sie mich direkt an.“ Dazu ein Insider: „Klingt gut. Aber dann schmollen die sieben Übergangenen und stellen sich auf den Standpunkt: Macht euren Dreck alleine.“

In jedem Fall für Katrin Suder kein leichter Job. Es wird oft spät abends werden, bis sie nach Hause kommt. Dabei liebt die in Mainz Geborene Berlin – „mit all seinen Macken und Narben“, wohnt in Berlin-Mitte an der Grenze zum Szene-Stadtteil Kreuzberg. Bisher nahm sie sich vor, dienstlich in der Woche nicht länger als eine Nacht von zu Hause fort zu sein. Ihre zwei kleinen Kinder wird sie dennoch weniger sehen. „Meine Partnerin und ich sind in der glücklichen Lage“, vertraute sie in einem Interview der Berliner Zeitung an, „uns eine Nanny leisten zu können.“

Foto: dpa

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