Jens Spahn – störrisch, aber ein Mann im Kommen

Montagmorgen in Berlin. Die übliche CDU-Präsidiumssitzung. Thema Flüchtlinge, Flüchtlinge, Flüchtlinge. Reihum berichten die Teilnehmer – darunter Ministerpräsidenten der CDU-regierten Länder – von Mangel an Unterkünften, Ärzten, Lehrern, Personal. Kurzum an allem. Merkel als Vorsitzende ist genervt. Das hält jedoch das jüngste Mitglied der Runde, den Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jens Spahn (Jahrgang 1980), nicht davon ab, seine Erfahrungen beim Besuch eines Flüchtlingsheims nachzuschieben. Da fährt Merkel dazwischen: „Es geht nicht an, nur Katastrophen zu beschreiben. Wir müssen den Menschen Antworten und Lösungen bieten. Also bitte Vorschläge!“

CDU-Politiker Jens Spahn (r.) und sein Partner Daniel Funke im Juni 2015 in Berlin im Garten der Residenz des britischen Botschafters auf der "Queens Birthday Party".

CDU-Politiker Jens Spahn (r.) und sein Partner Daniel Funke im Juni 2015 in Berlin im Garten der Residenz des britischen Botschafters auf der „Queens Birthday Party“.

Dass dieser Jens Spahn auch bei anderen Gelegenheiten gerne dazwischenfunkt, ist nicht neu. Meistens nervt es seine Mitmenschen, aber nicht alle. Finanzminister Schäuble, der im Juli 2015 Spahn als Parlamentarischen Staatssekretär aufgedrückt bekam: „Er kann einem manchmal ganz schön auf die Nerven gehen. Aber das gefällt mir.“

Spahn, aufgewachsen in einem Dorf namens Ottenstein, Ortsteil von Ahaus (NRW), macht sein Abitur an einer Bischöflichen Schule. Dann Ausbildung und Tätigkeit als Bankkaufmann. Parallel wie viele junge Menschen seines Schlages besonders frühes Engagement in der Politik: Mit 15 Eintritt in die Junge Union, mit 17 in die CDU, mit 25 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes im nahe gelegenen Borken. Aber bereits mit 22 Bundestagsabgeordneter, damit jüngstes Mitglied aller Zeiten des Hohen Hauses. Ein Workaholic! Nicht nur, dass er sich als Gesundheitspolitiker profiliert – als gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion –, er ist gleichzeitig stellvertretendes Mitglied im Haushaltsausschuss, wo ihm seine Banklehre nützlich ist. Den Wahlkreis Steinfurt 1 – Borken 1, für den er im Bundestag sitzt, gewinnt er vier Mal hintereinander im Direktmandat, zuletzt mit 52 Prozent der Erststimmen. Er geht mit der Zeit, twittert, kommt 2015 auf 3423 Tweets und 9158 Follower. Zu dem modernen Lifestyle passt auch, dass er aus seiner Homosexualität keinen Hehl macht. Seit 2012 setzt er sich mit weiteren zwölf Unionsabgeordneten für die Gleichstellung von eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit Ehen heterosexueller Partner ein und beweist zudem, dass auch Homosexuelle keine Weichlinge sein müssen, sondern kämpferisch agieren. Auf dem Bundesparteitag 2014 kandidierte er entgegen dem Vorschlag seines Landesverbandes für einen Posten im Parteipräsidium, dem höchsten CDU-Organ. Mitbewerber war der dem gleichen Landesverband zugehörende, vormalige CDU-Generalsekretär und Merkel-Vertraute Hermann Gröhe. Es kam zu einer Kampfabstimmung, Gröhe zog nach dem ersten Wahlgang seine Kandidatur zurück, Spahn bekam den Posten. Gröhe wurde Bundesgesundheitsminister. Auch nicht schlecht.

Spahn, hohe Stirn, Brille mit modisch dunklem Rahmen, mischt in der Politik kräftig mit – auch dort, wo man es nicht erwartet. Zum Beispiel lädt er 50 jüngere Abgeordnete aus Bundestag und Länderparlamenten zu einem Treffen mit Verteidigungsministerin von der Leyen in der Berliner Repräsentanz von Microsoft ein. Außerdem pflegt er einen engeren Kontakt mit Abgeordneten der Grünen, schreibt in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass „Schwarz-Grün nach dem erfolgreichen Versuch in Hessen seinen Schrecken verloren hat … Im Bund wäre diese Koalition eine spannende Option.“

2003 begann er zusätzlich zu seiner Abgeordnetentätigkeit mit einem Studium der Politischen Wissenschaften an der Fern-Universität Hagen, bekam 2005 das Bachelor of Art-Diplom und arbeitet zurzeit an einem Master-Diplom. Jens Spahn repräsentiert eine neue Führungsgeneration der Christdemokraten.    

Bild: picture alliance /ZB

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