Flüchtlinge – heute und damals 1945!

Zurück aus dem mehrwöchigen Frankreich-Urlaub, scheint es in Deutschland nur ein Thema zu geben: Wie mit den für dieses Jahr zu erwartenden etwa 400.000 Flüchtlingen fertig werden? Muss ein eigenes Gesetz erlassen werden?

Leid der Flüchtlinge

Das Leid der Flüchtlinge kennt keine Unterschiede – damals wie heute.

Der Spiegel macht aus dem Thema eine Titelstory mit zehn Seiten. Die Süddeutsche Zeitung schreibt auf vier Seiten: „Die Republik ächzt hörbar unter dem Druck.“ Mein Lokalblatt, der Bonner General-Anzeiger, warnt: „Flüchtlinge: Auf die Bundesländer rollt Kostenlawine zu.“ Vermeldet zudem: „100 Flüchtlinge aus 15 Nationen im benachbarten Troisdorf.“
Besorgnis erregende Nachrichten. Aber dieses Land ist ja nach Ende des Zweiten Weltkrieges mit einer Flüchtlingswelle viel größeren Ausmaßes konfrontiert gewesen – mit rund 13 Millionen (!) Vertriebenen, vornehmlich aus den ehemaligen deutschen Gebieten im Osten, aus Schlesien, Pommern, Ostpreußen und Sudetenland! Es ist mit dieser menschlichen Flut fertig geworden. Die Einzelschicksale waren damals so grausem wie heute. Tagebuchauszug einer damaligen Gutsbesitzerin im Warthegau (Polen): „Sonntag, den 11. Februar 1945: Der Hof ist voller Gespanne mit Russen, die sofort unser Haus besetzen. Es sind schlimme Horden, die da Einzug gehalten haben. Sie schleppen aus dem Haus, was sie können. Die alten Truhen mit Silberbeschlägen werden den Pferden als Futtertröge hingestellt, mit Teppichen decken sie ihre Wagen zu. Es geht in bestialischer Weise über die Frauen her. Ein ständiges Kommen und Gehen von grölenden, betrunkenen Massen.“
Ein halbes Jahr später Tagebucheintrag über die erzwungene Vertreibung gen Westen: „Alle haben eitrige Krätze. Waschen kann man sich nicht. Die Leute kämmen und lausen sich im Stroh. Auch unsere Kinder sind total zerbissen. Die Nächte sind schon empfindlich kalt, und der Mantel, mit dem man sich zudeckt, ist dünn.“
Endlich dort angekommen, was vom Deutschen Reich übrig geblieben war, wurden die Vertriebenen nicht überall freundlich empfangen, hier und da als „Polacken“ beschimpft. Aber die Hilfsbereitschaft überwog, und Deutschland integrierte diese damals größte Flüchtlingswelle.
Das sollte heute nicht möglich sein?
Es ist Hans-Dietrich Genscher, verheiratet mit einer ehemaligen Vertriebenen aus Schlesien, der mich dieser Tage auf einen Unterschied der damaligen Flüchtlinge zu den heutigen aufmerksam macht: „Das waren ja auch Deutsche, die kamen, und zudem Deutsch sprachen!“ Was Genscher nicht sagte, aber auch eine Rolle spielt: Die da damals kamen und eine neue Heimat suchten, fielen optisch unter den Einheimischen nicht weiter auf. Auf den ersten Blick waren sie oftmals nicht auszumachen. Die andere Hautfarbe, die fremde Herkunft der heutigen Flüchtlinge trägt zur Fremdenfeindlichkeit bei.
Beschämend, aber traurige Wahrheit.

Foto: Copyright: picture alliance/AA

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